Juniorwahl 2021 – ein voller Erfolg für die Demokratie

Wie auch in den letzten Jahren haben die Herren Schwale und Hinkel für die Fachschaft Sozialwissenschaften die „Juniorwahl“ organisiert. Aufgrund der spannenden und knappen Ausgangslage vor der Bundestagswahl, war es in diesem Jahr besonders spannend, wie die jungen Menschen abstimmen würden.

Besonders interessant war es sicherlich für einige Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die den Wahlakt üben konnten, bevor sie am Sonntag, den 26. September erstmals in ihrem Leben vom echten Wahlrecht Gebrauch machen dürfen.

Die Schülerinnen und Schüler der Stufen 7 bis 12 hatten die Möglichkeit, in der Woche vor der Bundestagswahl in der Mittagspause das Wahlbüro des FHG zu besuchen und ihre Stimme abzugeben. Fleißig unterstützt wurden die Lehrkräfte dabei von freiwilligen Schülerinnen und Schülern der Zusatzkurse Sozialwissenschaften, die als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Wahlbüro und bei der Stimmauszählung mit anpackten.  So konnten die Schülerinnen und Schüler des FHG Demokratie hautnah erleben und lernen, wie das deutsche Wahlsystem funktioniert. Eine solche Erfahrung ist wohl weiterhin durch keine Einheit im Lehrbuch zu ersetzen.

Die Ergebnisse stellen sich in diesem Jahr interessant dar. Sie führen in Teilen den Trend der Juniorwahlen der letzten Jahre fort, spiegeln an einigen Stellen den Umfragetrend vor den Bundestagswahlen, zeigen aber auch große Veränderungen und Differenzen zu den großen Wahlumfragen vor der Bundestagswahl.

Die Grünen bleiben bei den Juniorwahlen, wie auch in den letzten Jahren (Kommunalwahl und Europawahl), relativ klarer Wahlsieger mit 30% der Stimmen. Offensichtlich bleibt das Kernthema der Grünen, der Umweltschutz, ein Dauerbrenner bei der jungen Generation.

Die SPD erhielt am FHG bei den Zweitstimmen 19% und liegt damit knapp unter den Ergebnissen der aktuellen Umfragen. Sie bilden im FHG-Parlament die Zweitstärkste Fraktion. Für eine grün-rote Koalition würde es aber auch bei unseren jungen Wählern nicht reichen.

Bemerkenswert ist das starke Ergebnis der FDP, welche mit 18% nur ein Prozent hinter der SPD landet und damit die drittstärkste Kraft stellt. Der Grund für dieses starke Abschneiden wird zu erforschen sein, es liegt aber zu vermuten, dass die starke Präsenz der FDP auf den Social-Media-Kanälen und bestimmte Themen ein Erfolgsfaktor sein könnten. Auch das junge Auftreten der Partei mag ein ansprechendes Element für junge Menschen sein. Allerdings erlebt die FDP auch bei den Umfragen im Bundestrend einen Aufschwung, sodass die Juniorwahlen diesen Trend fortsetzen.

Weit abgeschlagen ist dagegen die CDU, die ihren Abwärtstrend bei den Juniorwahlen der letzten Jahre fortsetzt und nur noch 10% der Stimmen erhielt. Sie wäre in eventuellen Koalitionen also nur noch Juniorpartner, kann gleichzeitig aber auch als Königsmacher fungieren.

Gleiches gilt für die LINKE, die zwar nur 7% der Stimmen erhält, aber in einem FHG-Parlament als dritter Partner die Regierungsbildung ermöglichen könnte.

Deutlicher zeichnet sich das Bild bei den Erststimmen. Hier liegt der bisherige Amtsinhaber Mahmut Özdemir mit 46% der Stimmen weit vorne und würde somit weiterhin direkt in den Bundestag einziehen. Zwar kommt der Kandidat der Grünen, Felix Banszak, auf 25%, bleibt damit aber weit hinter Mahmut Özdemir. Interessant ist auch hier der Blick auf FDP und CDU, deren Kandidaten für das Direktmandat auf 12% und 8% der Stimmen kommen. Die FDP überholt also auch hier die deutlich schwächelnde CDU, welche die jungen Wählerinnen und Wähler kaum noch zu erreichen scheint.

Nun zur wohl spannendsten Frage der Wahlergebnisse am FHG. Wie könnte eine hypothetische FHG-Regierung aussehen? Dazu müssen zunächst die Stimmen in Bundestagsmandate umgerechnet werden. Die haben Herr Schwale und Herr Hinkel nach einem vereinfachten Verfahren nach Sainte–Laguë/Schepers (ohne Einbezug von Direktmandaten und Landeslisten) berechnet. Die Sitzverteilung sehe demnach wie folgt aus. (Aufgrund der o.g. Einschränkungen wurde von der regulären Sitzanzahl von 598 Sitzen ausgegangen. Die 5%-Hürde wurde bereits angewandt.)

Im FHG-Parlament wären mehrere Regierungskoalitionen rechnerisch möglich: Die Grünen würden als stärkste Fraktion vermutlich das Kanzleramt für sich beanspruchen und könnten mit der SPD und 59% der Sitze eine Regierung bilden. Jedoch wäre auch eine Grün-gelbe Regierung rechnerisch möglich (58%). Ebenso wäre allerdings eine „Deutschland-Koalition“ aus SPD, FDP und CDU unter Ausschluss der Grünen als stärkste Fraktion mit 56% der Sitze möglich. Auch die Linke könnte bei der Regierungsbildung rein rechnerisch eine Rolle spielen. Spannende und teils komplett neue Optionen entstehen hier somit.

Einschränkend muss hierzu aber die bedingte Aussagekraft unseres Rechenbeispiels benannt werden. So kann die Verteilung der Sitze nach Landeslisten und der Proporz nach Bundesländern, wie bei den echten Bundestagswahlen üblich, hier natürlich nicht berücksichtigt werden. Ebenso können die Direkt- und Ausgleichsmandate keine Anwendung finden. Beide Elemente würden das Sitzverhältnis vermutlich noch einmal verändern. Nichtsdestotrotz bleibt die Berechnung ein spannender Einblick in mögliche Kräfteverhältnisse bei einer Wahl unter unseren Schülern.

Was also haben wir von der erneuten Juniorwahl am FHG mitgenommen? Viele der Schülerinnen und Schüler haben durch diese Wahl erneut einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es bedeutet, sein aktives Wahlrecht zu nutzen und bei vielen jungen Menschen wurde das Interesse an Politik geweckt oder vertieft. Begleitet wurde die Juniorwahl auch von vielen Debatten unter den Schülerinnen und Schülern sowie einer gründlichen Vorbereitung in den Politikstunden. Insgesamt stellte sich die Juniorwahl am Franz-Haniel-Gymnasium wieder mal als voller Erfolg für die politische Bildung und als weitere erkenntnisreiche und spannende Studie über das Wahlverhalten junger Menschen in unserem Ort heraus.

Text und Analyse: B. Schwale und S. Hinkel

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