Franz-Haniel-Gymnasium

Duisburg-Homberg

 
 

Konzept "Individuelle Förderung"

1. Individuelle Förderung im Kontext unserer Arbeit

Das Recht auf individuelle Förderung ist im neuen Schulgesetz erstmals festgeschrieben (§ 1). Die individuelle Förderung ist dabei nicht nur ein Aspekt unter anderen, sondern "Leitidee" (Vorwort zur Sonderausgabe Schulgesetz NRW, S. 6). Es liegt die Überzeugung zugrunde, dass jedes Kind unterschiedlich ausgeprägte Begabungen und Talente hat und die Schule den individuellen Bedürfnissen aller Schüler/innen gerecht werden muss.
Die allgemeine Individuation (Orientierung an Standards) darf unseres Erachtens nicht gegen die differenzierte Individuation (Orientierung an Interessen/besonderen Fähigkeiten) ausgespielt werden - Hartmut v. Hentig formuliert prägnant: "Recht auf Gleichheit - Recht auf Differenz". Ziel individueller Förderung ist es, die Lernumgebung unserer Schüler/innen optimal zu gestalten, nicht nur Lernangebote bereitzustellen, sondern Lernbegleitung und - beratung ernst zu nehmen. Dabei ist die aktive Mitarbeit und die Anstrengungsbereitschaft der Schüler/innen bedeutsam: "Fördern heißt auch von einem Kind so viel zu fordern, wie es mit einiger Anstrengung erreichen kann." (Vorwort Schulgesetz NRW, S. 6)

Die individuelle Förderung ist ein vielschichtiges und anspruchsvolles Unterfangen, da

  • die intellektuellen, die emotional-sozialen und die motorischen Potenziale angesprochen sind
  • es sowohl darum geht leistungsschwache Schüler/innen mit geeigneten Fördermaßnahmen so zu unterstützen, dass die Versetzung der Regelfall ist - als auch den besonders begabten Schüler/innen entsprechende Angebote zu unterbreiten
  • die Umsetzung der einzelnen Schritte (Diagnose, Lernbegleitung und -beratung, Auswertung) eine enge Kooperation aller Beteiligten erfordert und sehr zeitintensiv ist

Im Kontext der individuellen Förderung sind einige Aspekte und Maßnahmen von großer Bedeutung, die primär anderen Bereichen unseres Schulprogramms zugeordnet sind und dort systematisch erläutert werden - wie beispielsweise die Beratung unserer Schüler/innen oder die Förderung der Selbstständigkeit, die in erster Linie mit dem Lernen lernen - Konzept verfolgt wird. So verweisen wir in diesem Konzept stellenweise lediglich auf einige Bausteine aus anderen Bereichen.

Unser Konzept zur individuellen Förderung konzentriert sich auf zwei Bereiche:

  • Förderung von Schüler/innen mit Lernproblemen
  • Förderung von Schüler/innen mit besonderen Begabungen

Als so genannte Stadtteilschule ist das Franz-Haniel-Gymnasium nicht einseitig ausgerichtet. Wir bieten der Schülerschaft und den Eltern ein breites Angebot im unterrichtlichen und im außerunterrichtlichen Bereich. Individuell zu fördern heißt für uns, leistungsschwache und leistungsstarke Schüler/innen gleichermaßen bestmöglich zu unterstützen.

Im außerunterrichtlichen Bereich richten wir für die Schülerschaft ansprechende und ganz unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften ein, die den individuellen Neigungen und Interessen gerecht zu werden versuchen. Die Schülervertretung klärt regelmäßig ab, ob die Bedürfnisse der Schüler/innen durch die AGs erfüllt werden können. Abhängig von den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten variieren Anzahl und Art der AGs.

Im Zentrum unserer individuellen Förderung steht die umfangreiche Nutzung der neuen Medien im Rahmen unseres Konzeptes zur Medienbildung (vgl. dazu das entsprechende Konzept!). Der pädagogisch sinnvolle Einsatz von Computern und entsprechender Lernsoftware bietet eine optimale Möglichkeit, sowohl vorhandene Defizite zu beheben als auch das Leistungsvermögen besonders begabter Schüler/innen noch besser auszuschöpfen. Digitale Medien sind darüber hinaus geeignete Werkzeuge, um individuelle Fragestellungen zu entwickeln und eigene Lernwege zu verfolgen.

Uns ist bewusst, dass es unterschiedliche Differenzierungsformen gibt (vgl. dazu H. Meyer, Was ist guter Unterricht, S. 102f.).
Wir nutzen sowohl die Strategie der personalen Differenzierung als auch die der didaktischen Differenzierung.
Im Bereich der Fremdsprachen (E) steht die personale Differenzierung im Vordergrund.
Im Fach Informatik (WP) differenzieren wir in Abhängigkeit vom Wahlverhalten möglichst nach Geschlechtern.

2. Förderung von Schüler/innen mit Lernproblemen

2.1. Individuelle Förderung im Regelunterricht (Klassenverband) - innere Differenzierung innerhalb bestimmter Phasen des Regelunterrichtes

  • teilweise ziel- und themendifferenziertes Vorgehen
  • Anwendung und Ausbau binnendifferenzierender Methoden im offenen Unterricht: Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Projektarbeit, Stationenlernen
  • zeitlich befristete Aufteilung des Lernverbands / Nutzung der Selbstlernzentren
  • selbstreguliertes Lernen mit geeigneter Lernsoftware in den Ergänzungsstunden

2.2. Besondere Fördermaßnahmen

  • Stärkung der Kernfächer in der Jgst. 5
    Um unterschiedliche Lernvoraussetzungen besser ausgleichen zu können, vorhandene Defizite aufzuarbeiten und eine gute Ausgangsbasis zu schaffen, haben Schüler/innen der Jgst. 5 in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik mit einer Wochenstunde die Möglichkeit, Leistungsschwächen auszugleichen.
  • Förderwochen
    Zur wiederholenden Vertiefung (Spiralcurriculum) werden in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, 2. Fremdsprache und Naturwissenschaften in den Jahrgangsstufen 5-9 zwei Förderwochen je Schulhalbjahr eingerichtet, in denen der Regelunterricht ausgesetzt wird.

2.3. Wiederholer-Beratung

Die Schüler/innen, die eine Klasse wiederholen, werden zunächst von den Abteilungsleitungen beraten, die eng zusammenarbeiten. In der Beratung geht es vorrangig darum, wie die Defizite in den bisherigen Problemfächern erfolgreich aufgearbeitet werden können. Außerdem werden allgemeine Lernprobleme und die neue Klassensituation thematisiert. Des Weiteren werden die neue Klassenleitung und die ggf. neuen Fachlehrer/innen (insbesondere der Problemfächer) mit in die Beratung einbezogen. Diese beobachten und unterstützen die weitere Entwicklung dieser Schüler/innen bestmöglich. Ziel der Wiederholer-Beratung ist es, durch die enge Kooperation aller Beteiligten den Schüler/innen eine kontinuierliche Betreuung und gezielte Hilfestellungen zu bieten.

2.4. Hausaufgabenbetreuung

Schüler/innen mit Lernproblemen wird eine Teilnahme an der Hausaufgabenbetreuung empfohlen (kostenpflichtig). Über die Unterstützung bei der Anfertigung der Hausaufgaben hinaus werden Defizite in den Kernfächern gezielt aufgearbeitet.

2.5. Förderung der Seiteneinsteiger in der Sekundarstufe II

Um Schüler/innen, die mit qualifizierten Abschlüssen von anderen Schulen auf das Franz-Haniel- Gymnasium wechseln, den Einstieg in die Oberstufenarbeit zu erleichtern, nehmen sie in der Eph an Vertiefungskursen in Deutsch, Englisch, Mathematik teil.

3. Sprachförderung durch bilinguale Module

Zur anwendenden Vertiefung der englischen Sprache bezieht der Unterricht in Musik (Kl. 5), in Erdkunde (Kl. 7 u. 8) sowie in Biologie (Kl. 9) für alle Schülerinnen und Schüler bilinguale Module mit ein. Bei bestimmten Themen verständigen sich die Schüler/innen in Englisch und bauen so ihre Sprachkompetenz im Kontext anderer Fächer weiter aus.

4. Förderung von Schüler/innen mit besonderen Begabungen

4.1. Individuelle Förderung im Regelunterricht (Klassenverband) - innere Differenzierung innerhalb bestimmter Phasen des Regelunterrichtes

  • teilweise ziel- und themendifferenziertes Vorgehen(Prinzipien: Akzeleration und Enrichment)
  • Anwendung und Ausbau binnendifferenzierender Methoden im offenen Unterricht: Freiarbeit, Wochenplanarbeit,
    Projektarbeit, Stationenlernen
  • zeitlich befristete Aufteilung des Lernverbands / Nutzung der Selbstlernzentren
  • selbstreguliertes Lernen mit geeigneter Lernsoftware in den Ergänzungsstunden

4.2. Vorbereitung auf internationale Zertifikate

In den Fremdsprachen Englisch und Französisch besteht die Möglichkeit, in zahlreich angebotenen Zertifikatskursen die bereits erworbenen Fähigkeiten weiter aus-zubauen. Sprachbegabte Schüler/innen können in speziellen Kursen international anerkannte Sprachzertifikate (wie die Cambridge Certificates oder DELF) erwerben, die von vielen Universitäten im Ausland als Nachweis von Sprachkenntnissen anerkannt werden.

4.3. Begabtenförderung in Lernstudios (M) und Arbeitsgemeinschaften

Für besonders leistungsstarke Schüler/innen werden in Mathematik Lernstudios angeboten, in denen komplexere Aufgaben behandelt werden.
Darüberhinaus richten sich verschiedende AG's an Schüler/innen mit speziellen Interessen für bestimmte Fächer oder Bereiche. In diesen AG's ist Platz für Themen und Fragestellungen, die über den obligatorischen Unterrichtsstoff deutlich hinausgehen. Auch im musisch-künstlerischen und im sportlichen Bereich können so besondere Talente entfaltet bzw. weiter gefördert werden.

4.4. Förderung im Bereich Technologie

Schüler/innen mit besonderem Interesse im Bereich Technik können im Rahmen der Differenzierung in den Jgst. 8/9 u. 10 das neue Fach Technologie belegen. Das FHG hat einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen ThyssenKrupp Steel Europe AG, so dass ein intensiver Austausch über die konkrete Gestaltung der Unterrichtsthemen erfolgt.

Das Fach Technologie wird in der Jgst. Q1 durch die Schüler-Ingenieur-Akademie ergänzt, ein Kooperationsprojekt des FHG mit der Universität Duisburg-Essen und ThyssenKrupp Steel Europe.

4.5. Abitur im Fach "Sport"

Das FHG bietet als einziges Gymnasium in Duisburg für sportlich besonders begabte Schüler/innen das Abitur im Fach Sport als 4. Fach an.

4.6. Drehtürmodell

Besonders begabte und engagierte Schüler/innen der Sekundarstufe II können Veranstaltungen der Universität Duisburg-Essen besuchen. Es findet eine Kooperation zwischen dem FHG und der Universität Duisburg-Essen statt.

4.7. Teilnahme an Wettbewerben

Das Franz-Haniel-Gymnasium ermutigt seine Schüler/innen ausdrücklich, an Wettbewerben in den unterschiedlichen Bereichen teilzunehmen.